In der heutigen Zeit muss man sich fast in jedem Beruf ständig weiterbilden. Diese Weiterbildungspflicht steigt, je anspruchsvoller der Beruf ist. Eine Putzfrau beispielsweise ist davon weniger betroffen. In meinem Falle ist die Weiterbildungspflicht so hoch, dass es für mich praktisch überhaupt keine Freizeit mehr gibt. Ich nutze in der Regel alle Zeit, die mir außerhalb meiner Aufträge bleibt, um mich weiterzubilden und das schon seit 30 Jahren. Ich habe natürlich auch hin und wieder etwas Freizeit, aber nicht so, wie ein großer Teil der Bevölkerung, die nach Feierabend und am Wochenende alle Zeit der Welt haben, sich ihren persönlichen und familiären Angelegenheiten zu widmen. Ich richte mir alle paar Wochen mal ein Wochenende ein, was dann allerings auch schon mal in der Mitte der Woche liegen kann. Außerdem arbeite ich den ganzen Tag. Da ich nicht nur als Grafiker, sondern auch als Webentwickler und Programmierer tätig bin, wüsste ich auch nicht, wie man so etwas anders managen könnte. Für den Kunden ergibt sich daraus allerdings der Vorteil, dass ich in meiner Arbeit sehr schnell bin. Hinzu kommt noch, dass, wenn ich während eines Auftrags auf Probleme stoße, für die ich mich erst mal schlau machen muss, diese Weiterbildungszeit nicht berechnet wird. Auch das ist nicht selbstverständlich. Jeder Anwalt, der für einen Fall recherchiert, wird jede Minute dieser Zeit in Rechnung stellen. Auch bekommt jeder Angestellte eine solche Arbeitszeit bezahlt. Fest angestellte Arbeitnehmer bekommen sogar die Weiterbildungszeiten bezahlt. Damit wären wir auch schon beim Punkt Selbstständigkeit.
Ich muss wie jeder, der arbeitet, Steuern zahlen. Hinzu kommen die Krankenkassenbeiträge und Kosten für Rente und Altersversorgung. Das sind Kosten, die in Deutschland nicht gerade gering sind. Von daher bekomme ich die 50 Euro gar nicht selber, sondern nur einen Teil davon. Die anderen Nachteile der Selbstständigkeit sind wohl hinlänglich bekannt, (kein Urlaubsgeld, kein Lohn im Krankheitsfall etc.) Kurzum, wenn ich die gesamten Stunden, die ich für meinen Beruf aufbringe durch das Geld teilen würde, das ich letzendlich herausbekomme, würde ich wahrscheinlich meine Arbeit mal neu überdenken, und mir überlegen, ob ich vielleicht grundsätzlich was falsch mache. Aber da ich diese Rechnung nicht aufstelle, können meine Kunden weiterhin von meiner Unwissenheit profitieren. Da mir meine Arbeit immer noch Spass macht ist das auch nicht weiter tragisch. Ich habe eben ein sonniges Gemüt.
Das Internet entwickelt sich rasant. Wer da Schritt halten will, muss sich ständig auf dem Laufenden halten. Es werden ständig neue Standards gesetzt, Programmiersprachen weiterentwickelt und so weiter. Es gibt auch ständig neue interessante Möglichkeiten. Will man diese Features nutzen, muss man lernen wie es geht. Ein Kunde denkt vielleicht, der hat ja nur 10 Minuten gebraucht, die Google Map einzubinden, aber die oben erwähnte Putzfrau hätte es wahrscheinlich nicht so schnell geschafft.
Viele Menschen wären auch gar nicht in der Lage meine Arbeit zu machen, selbst, wenn sie es versuchen würden. Meine Arbeit besteht aus 2 unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Der kreative künstlerische Teil und der eher verstandesmäßige, programmiertechnische Aufgabenbereich. Für beides muss man gewisse Voraussetzungen mitbringen. Künstlerisches Gespür und Einfühlungsvermögen und natürlich die dazugehörigen Techniken, die aber dank Software und Computer einfacher sind als vor 30 Jahren. Bei den programmiertechnischen Aufgaben, kommt es mehr auf den Verstand, Mathmatik und Logik an. Hier liegt auch der größte Lernaufwand. So ist beispielsweise die Flash eigene Programmiersprache Actionscript jetzt völlig neu entwickelt worden als Actionscript 3. Ich beherrsche das noch nicht, aber der Lernaufwand ist enorm, da praktisch alles neu erlernt werden muss. Dazu kommen noch PHP, mySQL , Javascript, HTML, XHTML, CSS, DOM, SVG.... In der Regel spezialisieren sich die Leute mehr auf einen Aufgabenbereich. Daraus ergibt sich dann allerdings, dass eine Homepage, von mehreren Menschen in Zusammenarbeit erstellt wird. Daraus ergibt sich wiederum, dass derlei Teamwork von Agenturen übernommen wird. Daraus ergeben sich höhere Kosten.
Im Laufe der Zeit habe ich viele Dinge erstellt, die sich in abgeänderter Form wiederverwenden lassen, beispielsweise Flash Aufklappmenüs. Das sind "Bausteine", die normalerweise und gerechtfertigterweise auch berechnet werden. Denn dahinter steckt Arbeitszeit. Ich berechne diese Dinge nicht.
Mit den 50 Euro pro Stunde profitiert der Kunde von meinem Wissen und der daraus resultierenden Arbeitsgeschwindigkeit, von der "schlanken Unternehmensstruktur" und von meinen schon fertig gestellten "Webbausteinen".
Künstlersozialkasse
Ich bin in der Künstlersozialkasse. Das hat zur Folge, dass ein Kunde, für den ich regelmäßig arbeite, 10 Prozent der Rechnung an die Künstlersozialkasse bezahlen muss. Bei einmaligen Aufträgen fällt dieser Betrag nicht an. Also könnte man sagen, dass mein Stundenlohn bei regelmäßigen Aufträgen 55 Euro ist. Auch das ist nicht zuviel in Anbetracht der oben erwähnten Argumente. Allerdings lösen diese nachträglich zu zahlenden Kosten an die Künstlersozialkasse bei vielen Menschen einen negativen psychologischen Effekt aus. Wären diese 10 Prozent gleich in der Rechnung enthalten, hätte der Kunde kein Problem damit. Wenn er allerdings zu der Rechnung später nochmal was zahlen soll, sträubt sich alles, auch wenn ich ihm vorher schon 10 Prozent oder mehr erlasse und somit die Kosten des Arbeitgebers selber übernehme. Geld ist eben stark emotional behaftet oder man könnte auch sagen....
Geld ist nicht gleich Geld
Schauen Sie sich zum Thema: "Geld, Glück und irrationales Verhalten" dieses lustige und lehrreiche Video von Dr. Hirschhausen bei Harald Schmidt an.